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Donau, Naab und Fichtelgebirge

26.6. - Zelten auf dem Bauernhof

Neustadt an der Donau
Neustadt an der Donau

Oje, jetzt muss ich drei Tage nachholen. Das wird hart. Ich versuche es kurz zu fassen.

 

Kurz vor dem Aufbruch in Donauwörth habe ich noch ein ungarisches Paar kennengelernt. Die sind am Abend vorher per Kanu angekommen. Er hat mir in bestem Deutsch erzählt, dass sie vor zweieinhalb Monaten am Schwarzen Meer losgepaddelt sind und jetzt 2500 km hinter sich haben. Das sind Helden.

 

OK, aber jetzt los auf den Donauradweg. Wer sich hier ein flowiges relaxtes Dahinradeln vorstellt, liegt falsch. Aber ich wusste das schon. Das ist auch nach Donauwörth nicht anders. Auf dem Radweg wird man ziemlich durchgeschüttelt, wenn man dann immer wieder weg geführt wird, wird's manchmal auch bergig.

 

In Ingolstadt hole ich noch schnell einen neuen Corona - Test. Was man hat...

 

Vor Kelheim verliere ich doch tatsächlich mal wieder den Radweg und stelle fest , dass es vielleicht besser wäre, auf der Landstraße zu bleiben, statt sich den vielen Schotter zu geben. Das wird aber leider mit ziemlich vielen Höhenmetern bestraft. Eine Welle nach der andern bis zur finalen Abfahrt nach Kelheim.

 

Einen Campingplatz habe ich mir auch schon ausgesucht, ca. 5 km nach Kelheim. Und weil ich weiss, dass ich auf dieser Seite bleiben muss, mache ich an einer Brücke, die plötzlich vor mir steht, einen Linksschwenk. Völlig gedankenlos. Und als nach geraumer Zeit immer noch kein Campingplatz auftauchte, schau ich mal wieder aufs Handy. Und stelle fest, dass ich mich an der Altmühl flussaufwärts befinde. Die habe ich überhaupt nicht auf dem Schirm. Insgesamt 10 km versenkt. Kurz vor Feierabend.

 

OK, als ich dann endlich meinen Platz auf dem Bauernhof habe, ist es schon wieder ziemlich spät.

Mein Zelt steht direkt neben einer kleinen Hütte. Als ich mich gerade mit dem Gedanken beschäftigt habe, jetzt meinen Blog zu schreiben, werde ich von links von einer jungen Radlerin angesprochen, ob es mir was ausmachen würde, wenn sie hier neben meinem Zelt ihre Hängematte aufhängen würde. Nach einem kurzen Überraschungsmoment meinerseits beginnt sie dann zügig ihre Hängematte zwischen dem Baum hinter meinem Zelt und einem Dachbalken meiner Hütte aufzubauen. Und nebenher erzählen wir uns dann allerlei Geschichten vom Radeln.

 

Es ist richtig witzig. Sie will von Berlin mit einem Zwischenstopp in Neu-Ulm nach Donaueschingen und Freiburg. Leider gibt's kein Bier mehr zu kaufen.

 

Also ab ins Zelt bzw. in die Hängematte.

 

Meinen Corona - Test vom Mittag hat übrigens keinen interessiert. 

 

Mit allen Umwegen waren heute 130 km.

 

 

 

So geht's auch
So geht's auch

27.6. - Ab jetzt im Naabtal

Autobahn über die Donau vor Regensburg
Autobahn über die Donau vor Regensburg

Es ist Sonntag morgen. Dank Wibkes (Ja, so heißt sie) Tip, die Isomatte härter aufzupumpen, habe ich wirklich besser geschlafen. Beim Abbau unserer Liegenschaften erzählen wir uns weiter Geschichten. Frühstück haben wir beide keines und so verabschieden wir uns dann in verschiedene Richtungen. Ich habe jetzt noch etwa 20 km an der Donau, bevor ich  kurz vor Regensburg ins Naabtal abbiege. Dies klappt reibungslos.

 

Anfänglich gibt's hier noch ziemlich viele Radler, Touristen und Campingplätze, aber später wird es diesbezüglich ziemlich dünn. In Burglengenfeld verpasse ich mal wieder den Radweg und bin bis Schwandorf am Radweg neben der Landstraße unterwegs. Und plötzlich taucht Max neben mir auf. Im ersten Reflex will er vorbei rauschen, ist aber dann doch neugierig ob meiner Reiseausstattung. Also bleibt er bei mir, ich erzähle, wohin ich will und er, was er vor hat. Gerade Abi gemacht, Zeit bis zum Studium, der Plan eine Deutschland - Rundfahrt. Dafür übt er gerade.

 

Hinter Nabburg kennt er einen Campingplatz, der wäre aber gerade am schließen. Bis dahin haben wir auch noch den gleichen Weg. Keine Ahnung, ob der Platz noch offen ist. 10 km vorher rauschen wir noch an einem vorbei. Das Ende vom Lied: Max rauscht ab, der Platz ist geschlossen und ich habe keinen Plan mehr. Ab hier gibt's keine Zeltplätze mehr. 10 km später treffe ich einen Vater mit seiner Tochter. In Weiden gäbe es einen Zeltplatz am Schätzlerbad. Ca. 15 km noch. Nach 12 km bin ich in Weiden, der Badesee ist am anderen Ende der Stadt. Lt. Internet gibt's tatsächlich einen Platz für Dauercamper und einen Zeltplatz. Um 6 bin ich in Weiden, um halb sieben am Bad, erfahre dort, dass der Zeltplatz geschlossen ist und bin ziemlich angepisst. Zurück in die Stadt, ein Hotel suchen. 

Ich finde ein einigermaßen günstiges, aber Booking.com funktioniert nicht. Ok, fahre ich halt direkt hin. Ein Zimmer gäbe es, aber die Frage ist, ob ich auch einen Corona - Test hätte. Der von Ingolstadt ist seit 5 Stunden abgelaufen. Ich könnte in eine Notdienst - Apotheke fahren und einen machen. Ok, 2,5 km hin und wieder zurück. Dann habe ich das Zimmer. Und noch nichts gegessen, geschweige denn getrunken. Aber auch das kriege ich noch hin. 

 

Und dann waren es doch wieder 110 km.

 

 

 


Montag, 28.06. - Im Fichtelgebirge

Irgendwo im Fichtelgebirge
Irgendwo im Fichtelgebirge

Der Plan heute: Ein bisschen kürzer und sicher stellen, dass ich wirklich einen Schlafplatz finde. Irgendwo bei Selb, kurz vor der tschechischen Grenze.

 

Der Komoot - Track sagt 68 km. Das passt. Darf auch mal kürzer sein. Der zweite Blick sagt. 900 hm. Also relativ bergig. Aber das ist OK. Viele Wellen auf Oberpfälzer Höhen und ein paar längere Anstiege im Fichtelgebirge. Um 12 bin ich in Marktredwitz, von da sind's eigentlich nur noch 23 km. Nur noch ein Katzensprung. Nach einer längeren Pause nehme ich die Fahrt wieder auf und scheitere nach wenigen Metern an einer Baustelle unter einer Schnellstraße. 

Ein Bauarbeiter meint 'Links rum, über die Bundesstraße'. Der Versuch scheitert. Rechts rum über den Radweg nach Selb wird mühselig. Viele Wellen, viel übler Schotter Das Handy verliert den Saft - kurz: Es zieht sich unerwartet. Dann bin ich da. Ein Platz aus einer anderen Zeit. Ein kleiner See dabei. Alles vergammelt. Aber die Sanitäranlagen sind noch OK. Ich bin der einzige Zelter. Immerhin bekomme ich ein Weizen, kann mit einem Auge Spanien / Kroatien und die erste Hälfte Schweiz / Frankreich schauen und gleichzeitig mit dem anderen diesen Blog schreiben. Ca. 450 km habe ich bis jetzt zurück gelegt. Morgen geht's ein Stück durch Tschechien. Heute waren es 75.