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Rochefort in den Ardennen

Nicht mehr nur flach - LA Meuse bei Dinant
Nicht mehr nur flach - LA Meuse bei Dinant

Um es kurz zu machen : Es wird kompliziert. Bisher hatte ich auf dem Schirm, ab Charleroi genau südlich über die Ardennen Richtung Frankreich zu fahren, seit gestern Abend tendiere ich aber zu einem südöstlichen Kurs in Richtung Basel, der u. a. über Luxemburg führt. Die letzte Entscheidung wollte ich mir bis Charleroi aufheben.

Der Campingplatz in Lê Luttre liegt direkt an einem Kanal mit Radweg, aber Komoot meint, dass ich einen Bogen fahren müsste, um an den Radweg zu kommen. Also fahre ich einen Bogen und komme direkt an der Hecke zum Campingplatz vorbei, mit einem schönen Durchgang zum Radweg. Verarscht.

Der Kanal geht nach Charleroi in den Fluss La Sambre. 


Die Stadt strahlt einen rostigen Charme aus. Ruinen von stillgelegten Stahlwerken, rostige Fabrikhallen, viel Verfall in der Altstadt, wobei es zwei davon gibt, wie ich lerne. Aber im TT europäische Spitze.


Wie ich mich gerade in einem Café platzieren will, grinst mich ein junger Typ mit Bart und Skateboard an. Das übliche : Woher, wohin, Kommunikation in Englisch. Er meint, dass er am Mittwoch zu seiner ersten großen Tour in Richtung Bretagne startet. Und dann: Ob ich nicht mal einen Blick auf sein Rad und seine Ausrüstung werfen könnte. Er wohnt nur 500 Meter von hier. Ok. Er scheint es wirklich so zu meinen. Statt Kaffee trinken latsche ich also mit ihm zu seiner Wohnung. Er holt sein Rad raus, älteres Modell, aber gut in Schuss. Zwei Satteltaschen dran, gefüllt mit allem was man so braucht. Ich gebe ihm meinen Segen, Rad und Ausrüstung OK, er holt sein Zweitrad, wir radeln in die Unterstadt, trinken Kaffee und quatschen. So kommt man natürlich nicht vorwärts. Und ich brauche noch eine Entscheidung.


Aber jetzt treffe ich sie. Richtung Basel über Luxemburg. Er meint, er hätte grad nichts zu tun und würde mich bis zur nächsten Stadt begleiten. Und weil ein Stück weiter auch noch ein Freund von ihm wohnt, fährt er gleich bis dahin mit.

Dann trennen wir uns an einem Kreisel. Es hat sich zeitlich etwas gezogen und heute stehen einige Höhenmeter an.


In Mettet beginnt ein gigantischer Radweg auf einer ehemaligen Bahntrasse. Sanftes Gefälle, weite Kurven, durch Tunnel, über Brücken. Auf einem Teil der Strecke liegen noch Gleise, auf denen sich jetzt Touristen mit Draisinen austoben können. Irgendwann ist die Talsohle erreicht und es geht wieder sanft nach oben. 

In Dinant ist Schluß damit. Ab hier türmen sich vor mir auf meinem Komoot - Track drei gigantische Zacken auf. Noch 32 km bis Rochefort. 

Schon der Erste bringt mich direkt von der Stadt weg an meine Grenzen. Mindestens 1,5 km schiebe ich den Berg hoch. Irgendwann geht's dann doch wieder, es kommt der zweite Zacken und auch gleich der Dritte. Ich denke, ich habe es überstanden, stehe in einem kleinen Dorf und mein Track geht auf einen Feldweg. Irrtum ausgeschlossen. Aus dem Feldweg wird ein schmaler Pfad in einen Wald rein. 

Das reicht. Zurück ins Dorf, eine Straße führt weit um dieses Gebiet rum. Aber verbunden mit neuen Höhenmetern. Als ich endlich unten im Tal wieder mit meinem Track vereint bin, habe ich zweieinhalb Stunden verplempert und bin meinem Ziel gerade mal 14 km näher gekommen. 

Unten steht ein Schild zu einem Campingplatz. Ich habe keine Lust mehr. 

Nach einer Minute bin ich da, eine Frau sitzt am Eingang auf dem Boden, eine riesen Haufen Schuhe um sich rum und putzt diese. 

Camping geschlossen, Katastrophe, Wasser, Verzweiflung. 


Ist jetzt auch egal, mache ich halt die restlichen 18 km auch noch. Es ist halb sieben. Jetzt bin ich aber wieder auf der Bahntrasse, leicht ansteigend zwar, aber richtig flowig. 19.45 bin ich in Rochefort, vor mir ein Tunnel unter dem auf einem Hügel liegenden Ort. Der Tunnel führt direkt zum Campingplatz und ist gesperrt. Erst mal checken, wie man den umfahren kann. Hoffentlich ist der Platz auf. Internet sagt ja. 

Nach zwei Anläufen habe ich die Lücke gefunden, die Rezeption hat schon zu, aber es gibt ein paar Menschen auf dem Platz. Dieser hat nichts abbekommen, weil er ein bisschen höher liegt. Aber drumrum ist es ziemlich chaotisch. Dreck, rausgerissenes Pflaster, gesprungene Scheiben usw. 


Insgesamt ziemlich hart und ziemlich kompliziert. Basel bin ich 102 km und 900 hm näher gekommen, tatsächlich bin ich noch mindestens 15 km rumgeeiert. 







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