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Siersburg / Saarland

Jeder hat schon mal davon gehört - keiner weiß, wo das ist: Schengen
Jeder hat schon mal davon gehört - keiner weiß, wo das ist: Schengen

Als ich heute morgen auf der Isomatte sitze und frühstücke, während mein Zelt in den ersten Sonnenstrahlen abtrocknet, kommt mein Nachbar und fragt mich, ob ich einen Kaffee will. Weil in Luxemburg ein ziemliches Sprachenchaos herrscht, muss man immer abklären, in welcher Sprache die Konversation weiter gehen soll. Er stellt sich als Engländer raus, der dauerhaft hier wohnt. Nein , nicht im Wohnwagen, sondern auf dem Motorboot. Das steht auf einem Anhänger, also im Trockenen.

Alex, so heißt er, bittet mich zu Tisch, auf dem noch die Whisky - Flasche von gestern Abend steht und viele Kippen. Sein Sohn (7) wohnt gerade bei ihm, weil seine Mutter gerade einen Job hat und weil Ferien sind.

Er erzählt, daß sein Sohn dreisprachig aufwächst. Mutter Russin, er Engländer, Schule Deutsch. So lernt man Leute kennen. 


Er fragt mich, wie ich heiße. Ich kann nichts dafür, nebenbei heisse ich auch noch 'Gerd'. Für einen Engländer ziemlich happig. Er meint, er würde niemand kennen, der so heißt, aber er würde sich als Eselsbrücke bei Namen immer irgendwelche Fußballer merken. Ich sage nur: Gerd Müller. Er ist baff.


Der Kaffee ist gut, aber die Zeit läuft schon wieder. Ich muss ranklotzen. Hätte bestimmt noch viel Spaß gemacht, mich mit ihm weiter zu unterhalten.

Nach Luxemburg (also die Stadt) sind es 22 km, bei 400 hm. Die ersten 5 km einrollen, dann geht's zur Sache. Heute lasse ich mich von Komoot navigieren, um nicht ständig irgendwelche Abzweige zu verpassen.


Das hat den Nachteil, dass ich das Handy immer vom Lenker fummeln muss, wenn ich ein Bild machen will. Sehr lästig.


In Luxemburg kreuze ich wieder ein bisschen durch die Innenstadt, trinke ein kleines Bier für 4 € und denke über den gesamten Wahnsinn dieser Welt und besonders über diese Schurkenstaaten, zu denen auch Luxemburg gehört, nach.

Der Wohlstand und Reichtum dieses Zwergstaates rührt alleine daher, dass Firmen aus der ganzen Welt hier ihren Sitz haben (Briefkasten, Büro, vielleicht eine Büroetage), ihre Gewinne, die sie in ihren jeweiligen Ländern erwirtschaften, aber zu wesentlich niedrigeren Prozentsätzen versteuern, als sie es daheim müssten. Steuervermeidung nennt sich das und alle machen mit. Auf Kosten von wem?

Jeder Porsche, jeder Q7, Tesla, 5 er BMW mit gelbem Kennzeichen macht mich wütend. Es sind viele. 


Aber leider kann ich nicht immer nur wütend sein, weil auch der weitere Streckenverlauf sehr herausfordernd ist.


Es gibt kein ebenes Stück, in der Regel ist kleinster Gang und Wiegetritt angesagt. Dann eine lange Abfahrt zur Mosel, Weinberge und der Ort Schengen, bekannt durch das gleichnamige Abkommen. 

Über die Brücke geht's nach nach Perl und direkt wieder 300 hm steil nach oben. Ich kreuze ein bisschen, wie am Hochlitten, plötzlich ein leiser Ruf von hinten. Ich weiche nach rechts aus, eine junge Mutter mit Kinderanhänger und E-MTB überholt mich locker.

Oben angekommen, bin ich schon wieder in Frankreich, wo es auf den nächsten 20 km auf dieser Wellenbahn weitergeht.

Dann ein Ortsschild in Deutsch, sogar ein alter Schlagbaum steht noch dahinter. Und weiter gehen die Wellen. Ich nehme mir vor, dass, sollte ich jemals wieder von hier oben runterkommen, den allerersten Campingplatz nehme.


Es kommt eine lange Abfahrt, ich denke, es ist die Letzte und unten ist die Saar, aber es ist nicht die Saar. Die ist noch eine Welle weiter. Aber egal, ich komme genau neben einem Schild 'Campingplatz' zum Halten.


So kommt es, daß ich um 5 nach 5, wie gestern erfleht, auf dem Platz in Siersburg einfahre. Ca. 80 km und 1500 hm nach dem Kaffee mit Alex.

Ein toller Platz, richtig schön, keine Wasserschäden. 


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