Fécamp - Mont-Saint-Michel

Jetzt wird's schwierig. 3 Tage. Weil ich noch immer keinen transportable Strom habe, stehe ich jetzt im Waschraum, damit mein Handy gleichzeitig Strom tanken kann.

Ich versuche, mich kurz zu fassen. 





5.6. Fécamp - Lisieux

Am Fischereihafen in Honfleur
Am Fischereihafen in Honfleur

Nebel, grauer Himmel, kalt, nasses Zelt. Kein einladender Eindruck am frühen Pfingstsonntagmorgen. Und so bleibt es auch fast den ganzen Tag. 

Mein Weg führt mich jetzt wieder vom Meer weg. Viele kleine Wellen, viele einsame Dörfer, viel Landwirtschaft. Plötzlich geht es dann sausteil ein schmales Sträßchen runter und urplötzlich befinde ich mich im Tal der Seine direkt neben einer Autobahn, die mich aber nicht tangiert. Und dann auf einem Zubringer zu den verschiedenen Häfen von Lê Havre. In der Ferne sehe ich eine große Hängebrücke. Na ja, wenn Komoot meint, dass ich da rüber darf, wirds schon stimmen. Stimmt tatsächlich. Es gibt sogar eine eigene Radspur. Schmal zwar, aber immerhin. Und zahlen muss ich auch nicht. 2400 Meter ist die Brücke lang, Tempo 70 ist angesagt, aber die meisten sind deutlich schneller unterwegs. Und dazu ein starker Seitenwand, der mich in Richtung Fahrbahn drückt.

Drüben bin fast schon in Honfleur, das Teil einer kleinen Nostalgie - Variante ist. Hier hab ich vor 52 Jahren mal Händchen gehalten. Armèle hieß sie.

Aber ich kann mich an nichts mehr von den Örtlichkeiten erinnern. Wie auch, vor lauter Touristenmassen ist von der Stadt nichts zu erkennen. Pfingstsonntag, super Timing. 

Weiter geht es jetzt, immer relativ nah am Meer entlang nach Trouville und Deauville. Letzteres ist in Frankreich das Pendant zu Ascot. Hier tummeln sich die Schönen und die Reichen und die ganz schön Reichen. Nichts wie weg hier. Nach Lisieux. Das ist ca. 30 km weg und ein weiteres Ziel der Nostalgie - Tour. Immer wieder nieselt es dann auch mal. Einmal kommt aber auch kurz die Sonne raus.

Der Platz befindet sich 2,5 km vor der Stadt. Es ist kaum was los, nur eine Jugend - Fussballmanschaft ist in meiner Nähe. Pfingstturnier.

Ich mache mich auf in die Stadt, ein bisschen Beine ausschütten. Die Stadt ist völlig heruntergekommen. Trotz Basilika und Kathedrale. Direkt neben der Basilika gibt's eine Dönerbude. Sonst gibt es nichts. Da gibt's einen Chickenburger und einen Orangensaft. Danach mache ich mich weiter auf die Suche. Es muss doch noch eine offene Kneipe geben. Und ich finde sie tatsächlich. Der Wirt begrüßt mich gleich mit Handschlag.

Fußball läuft, draußen geht ein Gewitter nieder, zwei kleine Bier. Als das Gewitter rum ist, marschiere ich los. Auf dem Campingplatz stelle ich fest, dass mein Powerpack mit Kabel und Stecker fehlen. Scheisse, schon wieder.

Ich bin überzeugt, dass es einer der Fußball - Jungs war. Aber wie beweisen?

Und dann machen die richtig Party, die halbe Nacht lang, und immer den gleichen Song. Der Regen stört die auch nicht.


102 km und 700 hm waren es heute. 

6.6. Lisieux nach Vire

Einsame normannische Landschaft
Einsame normannische Landschaft

Mein Stromspeicher bleibt verschwunden. Meine Nachbarin spendet mir ein bisschen für mein Handy und meine Uhr.

Wolkenloser Himmel beim Aufbruch. Im nahen Supermarkt erstehen ich ein Kabel mit Stecker.

Jetzt geht's weiter mit der Nostalgie - Tour. Ich fahre zu einem kleinen Dorf 12 km von Lisieux entfernt und versuche das Haus zu finden, in dem die Leute damals gewohnt haben. Keine Chance, obwohl es dort nur eine Handvoll Häuser gibt. Einen Versuch war es wert. Lag fast an der Strecke.

Es wird wieder sehr einsam, viele Dörfer, keine Läden. Nur rauf und runter. Der Wind immer schön von vorn. Der zigte - Hügel geht dann auf fast 400 hoch, ein Schild weist mich darauf hin, dass ich in normannische Schweiz bin. Diese Schweizer. Haben einfach alles erfunden. Gottfried Stutz. Die Wolken haben sich inzwischen wieder verdichtet. Der Strom am Handy geht aus, ich muss mich entscheiden. Auf der Route bleiben oder die vermeintlich nächste größere Stadt suchen. Zwecks Nahrungsaufnahme.

Das klappt dann auch. In Vassy gibt's genau einen Dönerladen. Hier bekomme ich auch Strom für meine Geräte. Draußen regnet es. Ich finde einen Campingplatz in Vire, 17 km entfernt in meiner Richtung. Bolzgerade, viele Wellen, ein bisschen Nieselregen. Dort angekommen, frage ich 3 Herren an einer Kreuzung nach dem Platz. Einer bietet sich an, vor mir her zu fahren. Obwohl an der Abzweigung auch ein Hinweis steht. Er fährt voraus, der Platz ist zu, öffnet am 15. Juni. Ihm ist das oberpeinlich. Er bietet mir an, mich zum nächsten Platz zu fahren. Ich lehne ab, mir langt der geschlossene. Dann will er mich noch zu sich nach Hause nehmen. Ich muss ihn überreden, endlich von dannen zu fahren. Nach dem Zeltaufbau ziehe ich mich ungeduscht um, um in die Stadt zu laufen. Es ist alles zu, außer? Genau. 2 Dönerläden. Beim einen gibt's ein Cola, beim anderen Wasser, danach beim ersten nochmal ein Bier und Strom. 125 km und 1600 hm.



Bilder vom 5.6.

7.6. Von Vire Zum Mont St. Michel

Die Nacht durch regnet es immer mal wieder, sodass ich gezwungen bin, meine Klamotten fast nass einzupacken. Es bleibt zunächst trüb, manchmal fallen ein paar Tropfen vom Himmel. Es wird wieder richtig bergig, da kommt dann nochmal so ein Stück, auf dem mich Komoot durch den Wald schickt. Immer wenn ich denke, es reißt jetzt auf, kommt nochmal ein Schauer vom Himmel. 12 km vor dem Ziel werde ich beim Vespern nochmal richtig nass. Aber danach reißt es dann wirklich auf. Ich habe mich inzwischen für den Campingplatz entschieden, der am dichtesten am Mont St. Michel dran ist. Obwohl es dort Millionen Touristen hat. Aber der Platz ist trotzdem günstig und für Zelter ist auch genug davon vorhanden. Einen Laden gibt es auch, ist zwar sündhaft teuer, aber was soll's. Die Sonne brezelt runter, die nasse Wäsche von vorgestern wird auch endlich trocken.

Morgen marschiere ich direkt rüber. Der allgemeine Fußweg geht direkt an meinem Zelt vorbei. 


Ach so, das auch noch. Spannend ist immer wieder die Frage, ob es a) Klopapier und b) Klobrille und - Deckel gibt. Der letzte hatte letzteres, aber kein Klopapier. Die beiden davor hatten Klopapier, aber sonst nichts. Immer wieder erstaunlich. Beim heutigen weiß ich es noch gar nicht.


Heute waren es nur 71 km, aber 850 hm. 


Am Donnerstag bin ich dann in der Bretagne unterwegs. 

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