Mal eben an den Chiemsee radeln - zwischen zwei Schlechtwetterphasen. Spontan habe ich mich am Samstagmittag entschieden, eine kleine Fahrradtour über drei Tage einzulegen. Eigentlich wollte ich länger, aber für Mittwoch war bereits wieder schlechtes Wetter angekündigt. Zuerst war ich unschlüssig, ob in Richtung Westen (Schwarzwald) oder nach Osten (Chiemsee). Nach kurzer Überlegung habe ich mir den Schwarzwald für eine Rennradtour beim nächsten Schönwetter - Zeitfenster aufgehoben. Weil der Wetterbericht für die drei Tage warme Temperaturen angekündigt hat, war kleinstes Gepäck angesagt. Einen Schlafsack, sonst nichts.
Sonntag, 17.8.
Dann haben sich am Sonntag aber doch noch die Wolkenfelder im Süden gehalten, sodass ich die erste Etappe bis nach Kaufbeuren bei komplett bedecktem Himmel radeln musste. Was ja auch nicht unbedingt schlecht ist, aber im Freien übernachten war mir dann doch zu riskant. Also habe ich bei der Pause in Ottobeuren ein Hotel in Kaufbeuren gebucht. Weil ich früher schon zweimal mit dem Rennrad in der Gegend unterwegs war, begann für mich erst ab Ottobeuren das Neuland im Unterallgäu.
Direkt am Ortsschild Kaufbeuren kamen dann tatsächlich die ersten Sonnenstrahlen raus. Die Essensaufnahme war dann etwas schwierig, weil viele Wirtschaften zu hatten. Am Ende hatte ich die Wahl zwischen Döner und Vietnamese. Die Wahl fiel auf letzteren.
Der erste Tag brachte mit ein paar kleinen Umwegen gegenüber meinem vorgeplanten Track 98 km und 1155 hm.
Montag, den 18.8.
Nach dem Frühstück hat wie erwartet die Sonne geschienen. Die Strecke hat dann gleich aus Kaufbeuren raus auf einem schönen Radweg auf einer ehemaligen Bahntrasse begonnen. Später kamen dann aber auch immer wieder Abschnitte an Bundes - oder Landstraßen, manchmal auch kurz ohne Radweg. Kurz vor Bad Tölz habe ich dann kurz noch die Orientierung verloren und bin 2 km in die falsche Richtung geradelt. Beim Blick auf booking.com war schnell klar, dass heute eine Übernachtung unter freiem Himmel anstand. Das billigste Hotelzimmer gabs für etwa 140 €, nach oben (fast) keine Grenzen. Am Ufer der Isar standen diverse Bänke rum, die für die Nacht eingeladen haben. Dann habe ich tatsächlich auf dem Weg zu meinem Übernachtungsplatz noch ein paar Bekannte auf einem Zebrastreifen an der Isarbrücke getroffen, die mich in ihre Unterkunft mitnehmen wollten. Da war ich allerdings schon auf meine Bank fixiert. So habe ich es mir also auf einer Liegebank bequem gemacht und konnte bei sternenklarer Nacht direkt über mir den großen Wagen genießen.
Statistik: 99 km, 927 hm.
Dienstag, den 19.8.
OK, diese Liegebänke sehen zwar einigermaßen bequem aus, aber hart sind sie dann trotzdem, sodass ich in der Nacht immer mal wieder die Position wechseln musste. Und ganz warm war es auch nicht mehr. Da mussten wieder alle Klamotten herhalten, die ich dabei hatte. Aber geschlafen habe ich trotzdem ein bisschen. Einen Kaffee und eine Toilette gab es dann in der Innenstadt. Erstaunlicher Weise waren um 7 schon mehrere Biker unterwegs, die wohl alle unter ähnlichen Umständen wie ich übernachtet haben.
Bei ziemlich warmen Temperaturen und angenehmem Wind ging es jetzt durch Oberbayern, teilweise abseits der B472, teilweise auch direkt drauf. Das ist die Deutsche Alpenstraße, in einigen Abschnitten sehr stark befahren. Nachdem ich die Leitzach kurz nach Parsberg überquert habe, leitet mich Komoot aber auf kleinen Sträßchen über viele einsame Höhen bis nach Bad Aibling. Bis Rosenheim, das ich am südlichen Stadtrand passiere, bin ich jetzt wieder auf einer Bundesstraße unterwegs. Die letzten 20 km, vorbei am Simsee bis nach Prien werden nochmal bergig. Um Punkt 12 bin ich am Schiffsanleger in Prien, finde daneben einen schönen Badeplatz und genehmige mir mein abschließendes Bad im See. Danach geht's zurück in Richtung Bahnhof, kaufe ein Zielbier beim (schon wieder) Vietnamesen und sitze um 14 Uhr 20 mit 10 minütiger Verspätung im Zug nach München.
75 km und 866 hm bringt der letzte Abschnitt.